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Andrea
Benders Malereien wirken farbenfroh und
heiter. - Auf den ersten Blick. Das lustig
und frohe Anmuten leuchtender Farben,
das haptische Element des gestischen
Farbauftrags zieht uns an, bewirkt Interesse
und den Wunsch, sich näher mit den
Arbeiten zu beschäftigen. Erst dann
erkennen wir, dass Andrea Benders Malereien
alles andere als harmlos und leicht verdaulich
sind. Sie schreien. Sie schreien sowohl
durch die Geschichten, die sie erzählen,
als auch durch den Duktus des Pinselstrichs,
durch den pastosen Farbauftrag, die schrillen
Farben und Kontraste. Das, was uns anzog,
uns mit ihnen zu beschäftigen, irritiert
uns gleichzeitig, wenn wir uns an den
Bildgegenstand herantrauen.
Andrea Bender übernimmt die Regie.
Die Leinwand wird förmlich zur
Bühne der Figuren, die wir auf
den ersten Blick zu kennen glauben,
die uns vertraut erscheinen. Diese
Vertrautheit und Sicherheit wird jedoch
gebrochen durch die skurrilen Geschichten,
die sie erzählen, vermitteln und
manchmal auch nur erahnen lassen. Die
Regisseurin behält den Überblick,
sie weiß, wann eine Geschichte
kippt, sie weiß auch, dass Irritation
und Unsicherheit nur portionsweise
zu verdauen sind. Bei Überdosis
wendet sich der Betrachter ab. Es kommt
auf das richtige Gleichgewicht an,
die richtige Mischung der Gegensatzpaare.
Verspielt Kindliches paart sich mit
bösartigem Sarkasmus, Liebliches
verbindet sich mit Grausamem zu einem
Manierismus, der oft zu dem einen oder
anderen Extrem neigt, zu kippen droht,
sich dann wieder fängt und dank
der Regie nicht aus dem Gleichgewicht
kommt. Eine gute Dramaturgie, weil
die Beschäftigung mit Benders
Arbeiten spannend bleibt.
Für Roger Löcherbach ist
das Material Holz ein Medium, das sowohl
die Form als auch den Inhalt seiner
Skulpturen bestimmt. Die rohe Verarbeitung
mit der Kettensäge, das Heraustrennen
einzelner Segmente lässt das Material
als haptisches Erlebnis wirken, der
Baumstamm als Material für die
Form bleibt bestimmend und präsent
und wird nicht selten durch das teilweise
Belassen der Rinde unterstrichen. Löcherbachs
Arbeiten leben durch den spannungsvollen
Gegensatz der sich diametral gegenüberstehenden
Polaritäten von Natur und Kultur.
Als wolle Löcherbach seinen Figuren
immer vor Augen halten, woher sie kommen
und aus was sie entstanden sind. Löcherbach
setzt diese Materialästhetik bewusst
in den Kontext des Inhalts, und er
macht sichtbar, was vorher nicht sichtbar,
wohl aber vorhanden war. Denn ein Stamm
birgt unzählbare Formen und damit
auch Entscheidungen. Löcherbach
entscheidet sich fast ausnahmslos für
den Menschen, für die Figur als
Thema. So mag der Baumstamm als Metapher
für Natur stehen, aus der sich
die Form, die Figur - der Mensch als
Metapher für Kultur - herausbilden.
Mit jeder Arbeit beginnt dieser Wandlungsprozess
aufs Neue. Löcherbachs Holzskulpturen
thematisieren nicht selten menschliche
Zustände, die auf die Verletzbarkeit
und das Isoliert-Sein verweisen. Auch
spielt dabei das Finden und Halten
des Gleichgewichts eine bedeutende
Rolle.
Obwohl die Arbeiten Löcherbachs
einen gänzlich anderen Ausgangspunkt
haben als die Werke Andrea Benders,
immer dann, wenn sich die Themenkreise
beider annähern, entsteht eine
Inszenierung von hoher Spannung, als
verdoppelte Dosis des Gleichgewicht-Haltens.
Die Künstler verabreichen eben
nicht zwei Portionen, sondern die doppelte
Portion.
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